Heilpflanzen-Naturarzt
Bereits vor 5000 Jahre begannen Menschen damit Kräuter auch medizinisch zu
verwenden. Die ersten Schriftrollen aus Ägypten und China beschreiben
Heilpflanzen wie z.B. den Rhabarber, der auch heute noch von medizinischer Bedeutung ist. Im Laufe dieser
Jahrtausende durchlief die Naturmedizin grosse kulturelle Höhepunkte, aber auch
Irrwege. Besonders im Mittelalter verband man viele Pflanzen mit Zauberei und
Schwarzer Magie. Eine weitere Irrlehre war die des Naturphilosophen und Arztes
Paracelsus (1493-1541): Nach seiner Signaturenlehre sollte man "Gleiches mit
Gleichem" behandeln. So sollten z.B. nierenförmige Blätter gegen Nierenleiden
helfen und Walnüsse, aufgrund ihrer gehirnähnlichen Struktur, bei allem was mit
dem Kopf zu tun hatte. Diese Lehre hielt sich über viele hundert Jahre und Teile
davon sind immer noch in einigen Kräuterbüchern zu finden.
Heute steht die Naturmedizin nicht am Ende einer langen Tradition, sondern
ist in einer neuen, vielversprechenden Phase. Möglich wurde dies durch neue
Labortechniken wie Chromatographie, Photometrie usw und nicht zuletzt durch ein
gesteigertes Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung.
Viele der traditionellen Heilpflanzen konnten den Ansprüchen der modernen
Medizin nicht entsprechen, da die isolierten Inhaltsstoffe entweder unwirksam
oder sogar gesundheitsschädlich waren, wie z.B. beim Lungenkraut.
Auf der anderen Seite fand man bis jetzt unbekannt Heilpflanzen, die z.B. gegen
Erkältungen oder Heuschnupfen wirksam sind. Auf der Erde gibt es ca. 400.000
Pflanzenarten und nur etwa 10% davon sind bis jetzt auf ihre Inhaltsstoffe
untersucht worden. Dieses grosse genetische Potential ist eine Herausforderung
an die Wissenschaft, um neue biologisch wirksame Substanzen zu finden und
gleichzeitig eine Hoffnung im Kampf gegen bis jetzt unheilbare Krankheiten.
Heilpflanzen enthalten chemische Stoffe, genau wie synthetische Arzneimittel.
Bei den Arzneipflanzen hat man es aber immer mit einem Art Kombinationspräparat
zu tun. Dieses besteht aus einer Mischung von bestimmten Stoffen, die sich
gegenseitig in ihrer Wirkung ergänzen oder das Präparat für den Menschen
verträglicher machen.
Die Beschreibung der Pflanzen erfolgt hauptsächlich
unter dem pharmazeutischen Aspekt. Medizinpflanzen werden hier als eine Art
chemische Fabrik angesehen, die bestimmte Inhaltsstoffe produzieren und die
wiederum eine bestimmte Wirkung auf den menschlichen Körper haben. Die
Phytotherapie, d.h. der Gebrauch von Arzneimittel mit Substanzen pflanzlicher
Herkunft, ist nicht das Gegenteil der Chemotherapie mit ihren synthetischen
Wirkstoffen. Beide bauen auf die gleichen, chemischen Wirkprinzipien auf. Die
moderne Phytotherapie ist frei von allen philosophischen Aspekten und muss als
reine Naturwissenschaft gesehen werden. Sie unterscheidet sich hier von der
Anthroposophie und der Homöopathie, obwohl die verwendeten Wirkstoffe oft die
gleichen sind.
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